Köln - Am Montag erscheint das neue BAP-Album «Sonx» als CD und DVD. 25 Jahre nach der Debüt-LP präsentiert sich die Kölner Band rockiger denn je. «'Sonx' ist ein klarer Schnitt für uns», sagte BAP-Sänger Wolfgang Niedecken im Gespräch mit Markus Peters (ddp) in Köln.
Frage: «Sonx» sollte erklärtermaßen ein «Rock'n Roll»-Album werden. Warum ?
Niedecken: Das ist ein organischer Prozess innerhalb der Band. Schon auf der letzten Tournee zeichnete sich bei den Auftritten ab, dass wir rockiger werden wollten. Also lautete die Devise: Bloß kein Klimbim auf dem Album, lasst uns nichts machen, was musikalisch überflüssig ist. Ein Maler, der bestrebt ist, alle Farben in ein Bild zu kriegen, ist auf dem Holzweg. Wenn man sich für den Rock'n' Roll entscheidet, kommt man zum puren «Song», der dem Album auch den Namen gegeben hat.
Frage: Trotzdem ist der Schnitt hart. «Aff un zo», das letzte Studio-Album von 2001, war sehr fröhlich und eher poppig. «Sonx» wirkt im Vergleich rau und spröde.
Niedecken: Die Zeiten sind ja auch härter geworden. «Aff un zu» war gewissermaßen das Flitterwochen-Album einer neuformierten Band, die gerade den Übergang in eine neue Ära von BAP geschafft. Leider kam es danach im engen Umfeld zu einigen harten Problemen, die man erst mal verdauen musste. Dann kamen die Terroranschläge des 11. Septembers 2001 mit all ihren Folgen, der Irak-Krieg und die Auswirkungen der Globalisierung, die uns erst dann so richtig bewusst geworden sind. Mit all diesen Dingen im Hinterkopf kann man kein fröhliches Album wie «Aff un zu» Teil zwei machen. Man muss vielmehr das umsetzen, was einen gerade aktuell bewegt.
Frage: Die BAP-Texte sind politischer als in den vergangenen Jahren. Sie erinnern an die spektakulär abgebrochene BAP-DDR-Tournee von 1984, an den Zweiten Weltkrieg, aber auch an das Problem Arbeitslosigkeit. Kann das in einem Rock-Song nicht furchtbar peinlich werden?
Niedecken: Das wird schon alleine durch die Musik verhindert, die einfach abgeht. Es geht hier nicht um Betroffenheits-Lyrik, sondern darum, was die Krise des Wirtschaftssystems für den Einzelnen bedeutet. Meiner Ansicht nach brauchen wir dringend Reformen für Deutschland und ich finde es absolut unanständig, wenn auf diesem Feld nur auf Grund parteipolitischer Gründe Knüppel zwischen die Beine geworfen werfen.
Frage: Köln bewirbt sich als Kulturhauptstadt Europas. Wie stehen Sie als Kölner dazu?
Niedecken: Köln hat eine unglaubliche attraktive Kulturszene. Andererseits haben wir einen Stadtrat, der nirgendwo so hart kürzt wie bei der Kultur. Das will für mich nicht recht zusammen passen. Ich bin nicht beleidigt, dass man mich nicht für die Kulturhauptstadt-Kampagne gefragt hat, weil ich nicht weiß, ob ich überhaupt mitgemacht hätte. Für mich ist Kölns Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU) ein lieber Kerl, der allerdings zu einem etwas unfreiwillig komischen Populismus neigt. Ich kann aber nicht sagen, dass ich den Mann nicht leiden kann. Wir trinken hin und wieder ein Kölsch zusammen und wissen sehr genau, was wir von einander zu halten haben.
( Artikeldatum: 28.2.2004 )